15.03.2004

jus

Turnier in Cadro / Tessin

Nun war es also wieder soweit: Das Turnier in Cadro war nur noch 270 Fahrkilometer entfernt. So versammelten sich diesmal dreizehn Zeitgenossen der Red Wings (Thomi Antener, Fahrni, Luki, Hess, Krch (Tschechi), Flo Lehmann, Lehni, Leisi, Joni, Ronny Nielsen, Schaffner, Mirco und Jürg) am Freitag um 1800 Uhr auf dem Parkplatz des Frenkenschulhauses in Liestal. Mit einer aufkumulierten Verspätung von 15 Minuten trafen Mirco und Jürg ein. Sie versuchten ein mögliches Packungsproblem mit dem Anhänger zu lösen, diesen aber stehen lassen mussten, da die Lichttechnik nicht ordentlich funktionierte.
So stopften wir in Liestal die dreizehn Hockeytaschen, sieben weitere Sporttaschen, 22 Hockeystöcke und dreizehn Schlafsäcke irgendwie in die drei Fahrzeuge (Panzer von Thomi, Super Trooper von Jürg und Volvo von Luki). Mit dabei war auch Flüssignahrung im Volumen von 27 Liter, was aber im Vergleich zu den 70 (!) Liter der Jurassier aus Bonfol gerade zu nichts war. Die Erwartungen waren eigentlich recht hoch, wurden wir doch vor einem Jahr in Cadro überraschend Vierter, und diesmal ist mit Joni und Tomi Krch das Offensivpotential doch höher einzustufen als letztes Jahr.
So ging es um 1830 auf die Mission "Cadro 2004". Erster Treffpunkt war die Raststätte Gotthard Nord nahe Altdorf. Nach einem kurzen Verpflegungshalt ging's gemeinsam Richtung Tessin. Jürg hatte mit seinem schnittigen Super Trooper reichlich Mühe, die Gotthard-Rampe hinauf das 120er Tempo von Thomi zu folgen, worauf dieser seinen Tempomat doch noch abschalten musste. Luki mit seinem Volvo zog gleich vor dem Gotthard-Tunnel das grosse Los, als er direkt hinter einem alten, pestialisch stinkenden Lastwagen mit Tempo 50 einspuren musste und hinter diesem den Tunnel durchquerte... Irgendwo bei Biasca waren die drei Autos wieder beisammen und rollten, angeführt vom Panzer von Thomi, gen Süden.
Um 2200 Uhr, nach einem kurzen Verfahrer zu einer Geröllhalde, traf die Red Wings'sche Wagenkolonne in Cadro ein. Als erstes wurde gleich wieder die Turnierbeiz und der Hockeyplatz rekognosziert und für hervorragend befunden. Anschliessend, und natürlich nach einem ersten Bier aus der Turnierbeiz, wurde die Zivilschutzanlage von Cadro bezogen, doch bald war ein Grossteil der Wings wieder im "Mini-Festzelt" vom Hockeyclub Cadro. Die Stimmung war wiederum ausgezeichnet. Joni und Ronny zelebrierten einen Kartentrick und zogen mit diesem so ziemlich alle Anwesenden in den Bann. Und die beiden wollen den Trick immer noch nicht verraten! Hösch! Auch die obligate und immer für kleine Storys nützliche Tombola wurde gestürmt und halber leergekauft (wenigsten die Lösli). Aber ausser dass jetzt jeder zweite von uns neue Jasskarten hat und Joni auch stolzer Besitzer eines rosaroten Täschchen ist, war diesmal das Glück nicht auf unserer Seite.
An diesem Abend erfuhren wir auch, dass die eingeladene italienische Mannschaft HC Monza wegen den misslichen Wetteraussichten (Regen und nochmals Regen) ihre Teilnahme annullierte. Schliesslich haben diese in Monza ja eine eigene, 8000 Zuschauer fassende und mehrere Millionen Euro teure Inline Hockey Halle!!
Am Turnier nahmen nun also neun Mannschaften teil, aufgeteilt in zwei Gruppen. In unserer Gruppe trafen wir auf die NLA-Mannschaft Savosa Yankees und auf die 1. Liga-Mannschaften Capologo Flyers, Wine Skaters Twann und AS Sorengo. Die beiden Gruppenersten kamen ins Halbfinale, die Gruppen-Dritten und –Vierten in die Klassierungsrunde. Der Fünfte unserer Gruppe musste sich, nach dem Nichterscheinen von Monza, mit einem Freundschaftsspiel gegen Cadro zufrieden geben. Ein Spiel dauerte 2 mal 13 Minuten ungestoppt.
Um ein Uhr waren wir noch immer in der Turnierbeiz und das erste Spiel noch neun Stunden entfernt. Fröhlich ging's zurück in die ZSA, wo allerdings die bereits erwähnten Bonfol Indians eingetroffen waren und wohl dort schon einen grösseren Teil ihrer 70 Liter Bier verputzt hatten. Glücklich war nun derjenige, der Ohrenpfropfen dabei hatte oder hundsmüde war...

Nach einem tollen Frühstück im Ristorante Lengina gleich neben der ZSA hatten wir am Samstag morgen um 1010 Uhr unser erstes Spiel. Und siehe da, entgegen aller Wetteraussichten war es trocken und so blieb es auch das ganze Wochenende! Wir trafen gleich auf die NLA-Mannschaft und Titelverteidiger Savosa Yankees. Obwohl wir vier Ligen tiefer spielen, hielten wir eigentlich recht gut mit. Der am Freitag Abend kreierte Spruch "sexy blibä" zeigte Wirkung. Kämpferisch waren wir wie immer spitzenmässig und konnten die Schönspielerei der Yankees mit unserem "muurä und schiäsä" ordentlich zerstören. Auch das harte, aber immer faire Spiel, lieben sie im Tessin nicht so sehr... Schliesslich verloren wir 1:3. Das einzige Red Wings Tor schoss Dominik Hess, als sein Weitschuss flach in die Ecke den Weg ins Tor fand.
Danach hatten wir drei Stunden Mittagspause und damit genügend Zeit, die Asbest verseuchten, auf alten verleimten Spanplatten gebratenen, Bratwürste, Hamburger und Plätzchen zu verspeisen. Egal. Der Grill rauchte immerhin wie vor einem Jahr das halbe Quartier ein.
Im zweiten Spiel trafen wir auf die 1. Liga Mannschaft Capologo Flyers. Ihr erstes Spiel gewannen sie gegen Twann mit 3:1 und im zweiten Spiel schied ihr erster Torhüter verletzungsbedingt aus. So hatten wir das Glück, dass in diesem Spiel so ziemlich jeder Schuss von uns den Weg ins Tor der Flyers fand. Schaffner traf nach einem Pfostenschuss nach wenigen Minuten zum 1:0. Jürg erhöhte nach einem bei der Mittellinie durch einen Flyer-Spieler abgelenkten Pass auf 2:0. Ronny traf Volley backhand und das 4:0 erzielte wiederum Schaffner. Flo folgte mit dem 5:0 und zum 6:1 traf Ronny mit der Pausensirene nach schöner Vorarbeit von Joni. Nach der Pause erhöhte Krch auf 7:1 und Leisi traf mit einem 30 Meter Briefkasten zum 8:2. Schliesslich stands dann 8:3 für die Red Wings und damit hatten wir in einem Spiel mehr Tore geschossen als vor einem Jahr zusammen...
Im dritten Spiel trafen wir auf die Wine Skaters Twann. Die Red Wings mussten unbedingt sexy bleiben, um sich noch für den Halbfinal zu qualifizieren. Und das blieben wir auch. Jeder ging für jeden, wir blieben abgeklärt und ruhig, liessen uns nicht vom harten Spiel der Twanner irritieren. Wir blieben eben einfach nur sexy. Hinten waren wir dicht, Goalie Mirco feierte seinen ersten Shutout an diesem Wochenende, und vorne traf Tschechi Tomas Krch gleich im Doppelpack. Zuerst verwertete er einen Abpraller von Altstar Thomi, dann umlief er den Verteidiger, täuschte an und verzögerte den Torschuss, umfuhr den Torhüter und überspielte diesen zum 2:0 Schlussresultat.
Das letzte Spiel gegen AS Sorengo mussten beide Mannschaften gewinnen, um sich für die Halbfinals zu qualifizieren. Auch in diesem Spiel hiess das Moto "sexy blibä".
Wir erwischten eine sack starke erste Halbzeit. Tschechi Tomas traf zum 1:0, als er den Ball hinter dem gegnerischen Tor ergattern konnte und ein Chaos vor dem Tor ausnützen konnte. Dann hatte Philipp Fahrni seinen grossen Auftritt. Er tankte sich der Bande entlang gegen zwei Gegenspieler durch, konnte alleine aufs Tor losziehen und traf kaltblütig zum 2:0 Pausenresultat.
Nach der Pause hatten wir dann drei schwache Minuten, welche die Tessiner gleich zum 2:2 Ausgleich ausnutzen konnten. Wir zogen unser taktisch bravourös getimtes Time-out ein. Mit den Worten "sexy blibä" konnte Joni klassisch den Goalie umfahren und backhand einschiessen. Als dann Hess mit einem Adrenalinstoss und aus der Drehung von der Mittelinie über die Fanghand des Goalies zum 4:2 traf, war der Jubel der Wings nicht mehr einzudämmen. Obwohl Sorengo eine Minute vor Schluss noch der 4:3 Anschlusstreffer gelang, blieben wir sexy und überstanden die letzten Minuten mehr oder wenig sicher.
Damit war die Überraschung perfekt. Die Red Wings qualifizieren sich als einziges 2. Liga Team des gesamten Turniers für die Halbfinals! Und das musste gefeiert werden! "Einmal sexy, immer sexy, hey, hey" und so weiter...
Zum Nachtessen trafen wir uns wiederum im Ristorante Lengina neben der ZSA! Und dort isst man wirklich sensationell! Mit Pizza, Risotto und Spaghetti assen wir mehr als genug.
Den Samstag Abend verbrachten wir wieder im Festzelt beim Hockeyplatz. Eine mit 130 dB dröhnende Live-Band, eine leer zu trinkende Bar, viele Gäste und sturzbesoffene Bonfol-Spieler erwarteten uns. Die Jurassier stürzten sich in Nonnen-, Hasen- oder Elefanten-Kostüme und waren alles andere als zurechnungsfähig. Nun ja, als bei einem der Alkoholpegel sich etwas senkte, bemerkte er, dass er sich die Bänder im Fussgelenk gerissen hatte. Schmerzverzerrt sass er auf einer Bank und wartete auf die Sanität. Auf der Barre versorgt wollte er nicht abtransportiert werden, bevor er nicht seine heilige Jura-Fahne bei sich hatte... Ein weiterer Jurassier wurde gleich noch zum Magen leer pumpen mitgenommen. Das beeindruckte uns jedoch nicht weiter. Als die übrig gebliebenen Jurassier schon wieder Richtung Zivilschutzanlage unterwegs waren, blieben wir im Festzelt, hatten weiterhin Freude am Kartentrick von Joni und Ronny, tranken Rot- und Weisswein und zogen so gegen zwei Uhr zurück zu unserer ZSA.

Sonntag morgen. Um halb zehn Uhr gingen wir wiederum im Ristorante nebenan Morgenessen. Im Halbfinal trafen wir dann auf die NLA-Mannschaft Pregassona, die im Gegensatz zu uns wohl viel viel weniger gefestet hatten. So und auch auf dem Papier war natürlich Pregassona um Längen besser als wir. Doch obwohl wir schon nach zwei Minuten nach einer ungenutzten Chance unsererseits das 1:0 erhielten, konnten wir das erste Drittel ausgeglichen gestalten. "Muurä und schiessä" lautete auch hier das Motto, und eben auch "sexy blibä". Zehn Sekunden vor der Pausensirene kassierten wir dann auch noch das 2:0. Dieses Tor brach uns das Genick. Damit war die Hoffnung weg und die Tessiner konnten ohne grosse Mühe, aber immer wunderschön herausgespielt, weitere fünf Tore schiessen. So verloren wir diesen Halbfinal klar mit 7:0.
So trafen wir im Spiel um den dritten Platz auf Bonfol – ja die Jurassier mit 70 Liter Bier... Dieses Spiel mussten wir einfach gewinnen!
Das Spiel war absolut hart umkämpft, und von den Alkoholexzessen der Jurassier merkte man am Anfang nicht mehr viel. Beide Mannschaften hatten zu Beginn gute Chancen, welche aber ungenutzt blieben. Mit der Zeit nahmen die Wings das Heft in die Hand und drückten mit aller Macht auf den Führungstreffer. Die Bonfoler konnten sich nur noch mit gefährlichen Konterchancen bemerkbar machen, doch Goalie Mirco blieb auch in diesem Spiel eine unüberwindbare Wand. Das Spiel war also auf Messers Schneide. Dann, vier Minuten vor Schluss, das erlösende 1:0 für die Wings. Hess konnte sich mit dem Ball von hinter dem gegnerischen Tor lösen, sein Schuss aus spitzem Winkel prallte vom Torhüter ab und Schaffner konnte den Ball endlich schön ins Kreuz einschiessen! Der Jubel war wohl noch auf den Bergspitzen zu hören... Dann hiess es wieder "sexy blibä". Auch die letzten Minuten und Sekunden überstanden wir schadlos und erreichten damit den überraschenden und sensationellen dritten Platz hinter Turniersieger Savosa Yankees und Pregassona!

Anschliessend erhielten wir noch – zu unserer Überraschung – den Fairplay-Pokal! Ja, richtig gelesen! Passend durfte diesen unser Captain "Mister Primitiv" Luki Gerber entgegen nehmen... Fairplay? Einige Beispiele: Tomi Krch biegt ne Nase von Savosa Gütigerweise wieder gerade; Luki zertrümmert mit einem Hammerschuss das Bein vom Schiri; Leisi checkt Bonfol-Spieler (der war als Huhn verkleidet am Abend zuvor -> also hat der Leisi ein Huhn an die Wand genagelt...) an die Bande, dass der liegen bleibt; und zu guter Letzt half Mirco feucht fröhlich dem Dorfpolizisten auszuparkieren...

Das phantastische Turnier in Cadro 2004 ist damit wieder Geschichte. Wir durften tolle drei Tage im Tessin verbringen, genossen die ausgezeichnete Gastfreundschaft und danken den Unicorns von Cadro für dieses tolle, hervorragend organisierte Turnier. Und denkt daran: "sexy blibä!"

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